JOACHIM SEYFERTH VERLAG
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PHOTOGRAPHIE DER WOCHE:


Freiheit


Nicht alltäglich, sondern „nur wöchentlich“ war für die Streckenwärter der Bahnmeisterei Trier der Kontrollgang durch den 4205 Meter langen Kaiser-Wilhelm-Tunnel der Moselstrecke, einst längster Berg-Durchstich der deutschen Eisenbahnen. Turnusgemäß, jedoch noch immer nicht alltäglich muss nach zwei bis drei Stunden Dunkelheit im schwachen Licht der Dienstleuchten, hallenden Schritten, ohrenbetäubendem Zuglärm und bedrückenden Gesteinsschichten über dem Kopf das Gefühl gewesen sein, am hellen Tunnelportal wieder von der Freiheit empfangen zu werden. Und nach dem Eintrag in das „Bahnbewachungs-Dienstbuch“ konnten in einer kleinen Bude neben den Schienen endlich die Beine ausgestreckt und eventuell mitgebrachte Vesper vertilgt werden. Dann ging es wieder zurück zum zuständigen Baubezirk Cochem – entweder mit dem Zug vom nahegelegenen Bahnhof Ediger-Eller oder wiederum zu Fuß schnurgerade durch den Berg in die nächste Freiheit.

(Streckenwärter am Südportal des Kaiser-Wilhelm-Tunnels bei Ediger-Eller, 28. Mai 1984 / Foto: Joachim Seyferth)


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(Bild entnommen dem Eisenbahn-Bildarchiv Joachim Seyferth)