JOACHIM SEYFERTH VERLAG
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FOTOGRAFIE DER WOCHE:

Weichzeichner im Rheingau


Insbesondere im Winter und Frühjahr verleihen Dunst und Nebel dem Rheingau und Mittelrheintal zusätzliche Mystik, so freilich auch rund um Rüdesheim. Als sich im Januar 2018 ein (noch) typischer Zug des Einzelwagenverkehrs (EZ) durch den Bahnhof gen Westen schlängelte, standen die Pläne für seine Umgestaltung und Beseitigung des noch bestehenden höhengleichen Bahnsteigzugangs für Reisezüge in Richtung Wiesbaden erst in den Anfängen. Diese sind jetzt nach einer aktuellen Mitteilung der DB spruchreif geworden: "Im Rahmen der Generalsanierung der rechtsrheinischen Bahnstrecke zwischen Troisdorf und Wiesbaden ab Juli 2026 baut die DB den Bahnhof Rüdesheim wie lange geplant im Bereich des Hafenparks neu. Der Bahnhof am neuen Standort ersetzt den vorhandenen Bahnhof, weshalb auch der Name beibehalten wird. Die Anlagen am alten Standort werden nach der Inbetriebnahme des neuen Bahnhofs zurückgebaut. Das denkmalgeschützte Empfangsgebäude bleibt dabei erhalten und kann weiterhin gewerblich genutzt werden." Natürlich ist mit dem neuen "Bahnhof" nur ein Haltepunkt mit zwei Außenbahnsteigen gemeint – verbunden mit dem Abzug des noch bis dato verbliebenen örtlichen Restpersonals im Stellwerk und im Empfangsgebäude. Eisenbahner vor Ort = Null. Also doch trübe Aussichten statt Weichzeichner: Die Bahn ist dann auch hier zu einem seelen- und lieblosen Transportsystem verkommen, ein in humaner, soziokultureller sowie ästhetischer Hinsicht denk- und fragwürdiger Rückzug sondergleichen.

(185 281 mit Güterzug des Einzelwagenverkehrs im Bahnhof Rüdesheim, 27. Januar 2018 / Foto: Joachim Seyferth)


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(Bild entnommen dem Eisenbahn-Bildarchiv Joachim Seyferth)